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14. Tagung der AG „Historische Sozialpädagogik/Soziale Arbeit“ vom 14. bis 16.06.2018 im „Toni Areal“, Zürich

Juni 14 @ 8:00 - Juni 16 @ 17:00

Vom 14. bis 16. Juni 2018 richtet das Institut für Kindheit, Jugend und Familie der Zürcher Hochschule
für Angewandte Wissenschaften auf dem Campus Toni Areal in Zürich die 14. Tagung der AG „Historische
Sozialpädagogik/Soziale Arbeit“ aus. Das Thema der Tagung lautet „Sozialer Wandel und Fachlichkeit“
– ein Forschungsfeld, welches auf den ersten Blick klar umrissen zu sein scheint.
Bei genauerem Hinsehen erweist sich das Tagungsthema jedoch als begrifflich unklar, heterogen, dynamisch
und spannungsgeladen: So diskutieren die Sozialwissenschaften seit jeher über die Ursachen,
den Verlauf und die Prognostizierbarkeit gesellschaftlicher Veränderungsprozesse, gleiches gilt für die
damit einhergehenden Folgen. Obwohl der Begriff des „social change“ (Ogburn 1922) seit knapp einhundert
Jahren eingeführt ist, scheint es „die“ Theorie des Sozialen Wandels nicht zu geben. Die Definitionsvielfalt
in den einschlägigen Diskursen, von Talcott Parsons (1959) bis Anthony Giddens (1995), illustriert
vielmehr die Vielschichtigkeit des Begriffes: Sozialer Wandel schliesst Veränderungen der Sozialstruktur,
der Wertekonstruktionen, der Kultur, der Institutionen, des Verständnisses von Gemeinschaft,
Staatlichkeit und Herrschaft, von Ökonomie und Bildung sowie deren wechselseitigen Interdependenzen
gleichermassen ein. Ähnliches gilt für den Begriff der Fachlichkeit, der in Disziplin und Profession der
Sozialpädagogik/Sozialen Arbeit zwar geradezu inflationär verwendet, nicht aber hinreichend oder gar
einheitlich definiert wird. Vielmehr wird unter Fachlichkeit eine Vielzahl von Wissensbeständen, Kompetenzen,
Handlungspraxen und Haltungen verstanden, die „fachlich“ agierenden Akteurinnen und Akteuren
zugeschrieben und als „reflektierte Handlungsfähigkeit“ zusammengefasst werden können. Welche
Wissensbestände, Kompetenzen, Handlungspraxen und Haltungen jedoch Fachlichkeit ausmach(t)en,
darüber besteht in der Sozialpädagogik/Sozialen Arbeit kein Konsens, sondern ein reger und intensiver
Diskurs.
Es liegt auf der Hand, dass die Vorstellungen dazu, wie Fachlichkeit in der Sozialpädagogik/Sozialen
Arbeit verstanden wird, jeweils geprägt sind von den Bedingungen und den Modi der Zeit, in der sie explizit
oder implizit formuliert werden. Fachlichkeitsannahmen der Sozialpädagogik/Sozialen Arbeit unterliegen
damit zweifellos Prozessen des sozialen Wandels. Die Reaktionen der Sozialpädagogik/Sozialen
Arbeit darauf changieren vermutlich zwischen Mitgestaltung von sozialen Wandlungsprozessen, deren
kritikloser Hinnahme und der mehr oder weniger aktiven Widersetzung.
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Aus einer disziplin-, epochen- und professionshistorischen Perspektive sind deshalb folgende Fragestellungen
von Interesse:
– Welche sozialen Wandlungsprozesse haben Fachlichkeitsvorstellungen der Sozialpädagogik/
Sozialen Arbeit in welcher Weise geprägt?
– Welche Reaktionen können in Bezug auf Prozesse des sozialen Wandels in Disziplin und Profession
der Sozialpädagogik/Sozialen Arbeit beobachtet werden? Wo und wie wirkte Sozialpädagogik/
Soziale Arbeit aktiv an Prozessen des sozialen Wandels mit?
– Welche Folgen waren damit auf der Ebene der Angebote, Einrichtungen und Dienste der Sozialpädagogik/
Sozialen Arbeit verbunden? Wie haben sich diese Prozesse auf das Handlungsverständnis
der dort tätigen Professionellen ausgewirkt?
– Was bedeutete dies wiederum für die von Sozialpädagogik/Sozialer Arbeit betroffenen Adressatinnen
und Adressaten? Welche Wechselwirkungen zwischen Prozessen des sozialen Wandels, sich
verändernden AdressatInnenperspektiven und Fachlichkeitsvorstellungen lassen sich beobachten?
Zu diesen und ähnlich gelagerten Fragen erhoffen wir uns im Rahmen der AG-Tagung aufschlussreiche
und kritische Beiträge und Diskussionen. Wir laden deshalb interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
aus Sozialpädagogik/Sozialer Arbeit, Geschichtswissenschaft und angrenzenden Disziplinen
ein, Vorschläge für Tagungsbeiträge einzureichen. NachwuchswissenschaftlerInnen sind ausdrücklich
aufgerufen, sich an der Tagung mit einem Beitrag zu beteiligen. Wie bei allen Tagungen der AG
„Historische Sozialpädagogik/Soziale Arbeit“ gibt es über den Themenschwerpunkt hinaus die Möglichkeit
zur Darstellung laufender Forschungsprojekte.

Martin Biebricher
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Departement Soziale Arbeit
Institut für Kindheit, Jugend und Familie
Pfingstweidstrasse 96
Postfach
CH-8037 Zürich
Tel. direkt: +41 58 934 88 21 / E-

Details

Beginn:
Juni 14 @ 8:00
Ende:
Juni 16 @ 17:00